Ausgesprochen unaufgeregt
So wird in Autotests mein neues Gefährt gerne beschrieben. Begriffe wie Packesel, Familienkutsche, durchdacht und clever liest man häufig.
Die Außenansicht
Unaufgeregt passt ganz gut. Das Äußere ist stimmig, haut aber auch niemanden vom Hocker. Die Karosserie hat in dieser Form seit Ende 2004 Bestand. Man ist dem Opel Astra Caravan folglich hin und wieder schon begegnet.
Seit einigen Jahren haben Opels eine kleine Falte die sich von der Motorhaube bis über die Kofferraumabdeckung zieht. Vorne sorgen Klarsichtscheinwerfer für den Durchblick im Dunkeln. Auf Wunsch auch gerne mitlenkend in den Kurven was ein unglaubliches Erlebnis ist, wenn man es einmal in absoluter Dunkelheit ausprobiert.
Das Hinterteil wird verziert mit einer Chromleiste die das Heck etwas gefälliger macht.
Mit seinen 4,52m ist der Astra kein besonders langes Auto. Auch die Breite von 1,75m bereitet keine Probleme auf dem überfüllten Einkaufsparkplatz.
Der Innenraum
Zuerst erwartet einen der Neuwagenduft. Ein irres Zeug, welches einen da be- und umnebelt. Nach nur drei Tagen riecht alles in meiner Umgebung schon nach dem Auto. Ob die Duftstoffe sich in Fasern fest setzen?
Der Einstieg ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Insbesondere ältere Menschen werden den tiefen Einstieg nicht toll finden. Da bietet der Mini-Van Meriva einen ganz anderen Komfort.
Ich kann mit meinen 1,88m ganz gut drin sitzen. Das Ende der Motorhaube kann man auch bei dem Auto nicht sehen. Das muss jetzt wohl so sein. Etwas unbequem kann es für den ein oder anderen im Kniebereich werden. Da ist nicht viel Platz. An den Autoschlüssel sollte man keine Schlüsseltasche oder irgendwelche anderen Dinge ranbaumeln. Das behindert beim Fahren.
Das optisch ansprechende Multifunktionslenkrad fällt gleich ins Auge. Für was die einzelnen Knöpfe gedacht sind, muss man zunächst erlesen. Denn ihre Funktion erschließt sich nicht aus der Beschriftung.
Sehr schön ist der Aux-Eingang an der Mittelkonsole. So lassen sich iPod und Konsorten problemlos als Abspielgerät im Auto nutzen. Für den iPod gibt es gar eine besondere Lösung, die aber von einem Dritthersteller kommt. Hier hat sich mir die Funktionsweise noch nicht vollständig erschlossen.
Wer in der zweiten Reihe sitzen muss, dürfte eine ganz andere Wahrnehmung haben. Läßt sich der vordere Teil eher als kompakt beschreiben, erwartet einen hinten viel Platz. Die Beinfreiheit ist für längere Fahrten akzeptabel, die Kopffreiheit vermutlich auch. Selbst für 2,20m große Sitzriesen.
Ich habe die beiden vorderen Sitze auf meine Länge eingestellt und konnte hinten noch problemlos einsteigen und hatte mehrere Hände Kniefreiheit. Auch meine Quadratlatschen machen keine Probleme. Ganz anders als im 3er BMW oder Audi A4, wo ich hinten nur einsteigen kann, indem ich meinen Fuß seitlich verdreht reinstelle.
Alle drei Plätze sind mit Dreipunktgurt versehen. Auf dem mittleren Platz sollte aber nur eine zarte Person platz nehmen. Die ist dann auch die einzige die wirklich Übersicht hat. Die anderen beiden Plätze links und rechts haben leicht eingeschränkte Sichtmöglichkeiten.
Aufpreispflichtig, gibt es die spezial Rücksitzbank die man noch einmal 10,5 cm nach hinten schieben kann. Wer eher weniger Gepäck und dafür häufig viele Leute mitnimmt, der sollte sich das gut überlegen.
Der Gesamteindruck ist solide und alles scheint gut verarbeitet zu sein – soweit ich das jetzt schon beurteilen kann. Es klappert nichts, es knarrzt nichts. Vorsichtig sollte man damit sein etwas in die Staufächer in den Türen zu stecken. Rutscht da etwas, so gibt es ein unangenehmes Geräusch. Es hat eine weile gedauert bis ich merkte, dass nichts kaputt ist, sondern der Eiskratzer sich in der hinteren Tür munter hin- und herbewegt und dabei gute Geräusche gemacht hat.
Der Kofferraum
Der Grund für dieses Auto und warum es den Vorzug vor dem französischen Kleinwagen-will-aber-doch-ein-Kombi-sein Renault Clio Grandtour bekommen hat.
Üppige 500l fasst der mit etwas über einen Meter langen und breiten Kofferraum. Das reicht für einige Taschen. Im Fall der Fälle lässt sich das Volumen durch umklappen der hinteren Sitzbank erweitern und man packt bis unters Dach. Dann sollten knapp 770l reinpassen. Unfassbar viel Platz.
Der Rollstuhl meiner Schwester lässt sich aber nicht so ohne weiteres transportieren. Im Ganzen findet er nur Platz wenn man die Kofferraumabdeckung vorher entfernt. Dazu muss man wissen das es sich bei dem Rollstuhl um einen starren Rahmen handelt den man nicht zusammenklappen kann. Mit abgenommenen Reifen ist aber auch der Rollstuhl kein Problem. Bei solchen besonderen Bedingungen sollte man unbedingt vorher ausprobieren wie es passt.
Ein paar Unverschämtheiten erlaubt sich Opel bei seinem Familienlaster. So ist es für mich nicht verständlich warum bei der Auslieferung kein Warndreieck und kein Erste-Hilfe-Kasten dabei ist. Unverantwortlich wie ich finde. Wie gut das ich nachgefragt habe. Erst auf Nachfrage erführ ich das dass Auto so gar nicht fahrbereit ist.
Das Warndreieck findet seinen Platz in der Kofferraumklappe. Das tut es aber nur wenn man das opeleigene Warndreieck kauft was der Opelhändler nicht vorrätig hat.
Naiv wie ich bin, habe ich mit Fußmatten im Auto gerechnet. Die paar Euros möchte der Neubesitzer aber doch bitte extra mitbringen und sich die Matten zusätzlich kaufen.
Im Kofferraum gibt es keinerlei Aufbewahrungsmöglichkeiten. Hier muss der Neuwagenbesitzer auch extra in die Tasche greifen. Opel hat ein cleveres System, welches verschiedene Befestigungsmöglichkeiten anbietet, die sich an Schienen befestigen lassen. Das ganze ist Aufpreispflichtig.
Die Aufpreispolitik ist nicht nachzuvollziehen. So kostet ein Netz welches den Kofferraum von den Passagieren abtrennt unglaubliche 179 Euro. Es gibt keinen Fremdhersteller der dieses Zubehör anbietet. Wer sperriges Gut transportiert bei dem sich die Gepäckraumabdeckung nicht schließen lässt, ist gezwungen in den sauren Apfel zu beißen oder schaut einmal bei eBay. Hier lassen sich aber meist auch nur ein paar Euros sparen.
Fazit
Es gibt keine größeren oder kleinere Mängel, bis auf das viel zu teure Fangnetz. Der Spritverbrauch muss von seinen bisher durchschnittlichen 8,3l/100km noch etwas runter kommen. Vermutlich aber auch das Ergebnis des Turbo. Knapp einen halben Liter über Werksangaben ist für einen quasi Fahranfänger natürlich auch noch immer ein guter Wert.
Das Auto vermittelt ein gutes Fahrgefühl. Es strahlt etwas von Sicherheit und Kraft aus. Der Motor ist unglaublich agil und geht immer mit einem mit, ob zügig auf der Autobahn, cruisend auf der Landstraße oder durch den Großstadtjungle.
Update: Nach mehrfachen Wunsch, jetzt auch mit Bildern

Am 2. Februar 2009 um 13:12 Uhr
Wo bleibt ein Foto?